Männer in den Lichtern der Großstadt
Der erste echte Tag in Marokko beginnt ruhig und gemütlich. Auf der Terasse sitzen, lesen und sonst nichts tun. Irgendwann einmal Mittagessen. Dann kommen die ersten Pläne auf. Die weiblichen Anwesenden feiern Junggesellinnenabschied und die männlichen Hälften könnten mal durch die Stadt wandern. Im ersten Moment bricht mir der Schweiß aus, aber dann entscheide ich mich doch mitzugehen mit Fahim, Jens, Steffen und Amir. Man hat ja auch sonst nichts zu tun.
Wir laufen also durch Casablancas Fußgängerzone und schauen uns Geschäfte an. An einem Laden bleiben wir stehen und Jens meint, dass das nach ganz schön fiesen Fälschungsklamotten aussieht, worauf Fahim sofort mit einem herzhaften "Da gehen wir rein!" die Tür betritt. In den marokkanischen Geschäften gibt es, wie schon erwähnt, für mich nichts zu kaufen. Alles nicht meine Größe und schon gar nicht meine neue Bayernkleidergröße.
Insgesamt ist der Spaziergang recht lustig und wir holen irgendwann die Frauen bei ihrem kleinen Fest ab. Sie stehen auf dem Balkon und kichern wie nach zwei Kisten italienischer Weinbrause, haben in der Tat aber nur Minztee und Gebäck vernichtet. Zuckerrausch vielleicht? Wer weiß? Wir finden uns wieder in unserem HQ ein und trinken an den Alkoholvorräten rum Vielleich fällt mir dadurch die vergessene PIN meiner Kreditkarte wieder ein, die ich vorher schon drei mal vergeblich in den Automaten gehackt habe.
Hochzeitsfeiertag
Heute findet der Hauptgrund statt, wegen dem wir hier sind, meine PIN weiß ich immer noch nicht, abr egal. Die Hochzeitsfeier ohne Hochzeit. Aufgrund widriger behördlicher Umstände kann sich unser Paar nicht trauen sich zu trauen. Die Party gibt es trotzdem und das ist erste Sahne. Die Stunden bis es losgeht verbringen wir wieder auf der Terasse mit wechselnder Gesellschaft und reden darüber wann man sich wohl so fertig machen muss. 30 Minuten vor Abfahrt wird dann klar, dass die Zeit eng wird. Wer kann das auch nach mehreren Stunden Diskussion darüber ahnen?
Doch trotzdem werden alle pünktlich (marokkanisch pünktlich!) fertig und wir können mit unserem Kleinbus und dem Chauffeur zur Location fahren. Was heißt Location? Anwesen. Ich meine, was heißt Anwesen, zur Villa! Ein großflächiges Territorium mit großem Swimming Pool im Freien, einem Rasen auf den jeder Engländer mit Tränen und neidvollem Wimmern auf die Knie sinken würde. Eine halbe Stunden benötigt man zur kompletten Erkundung.
Wir sind natürlich mit die ersten, weil wir ja Deutsche sind und die Marokkaner erst zwei Stunden nach Beginn einer Party erscheinen. Somit können wir wenigstens das Eintrudeln der Gäste beobachten und sind auch die ersten, die sich an der Bar bedienen lassen dürfen. An dieser Stelle bemerke wieder mal die unglaubliche Geduld der Marokkaner mit ihren Kindern, die an den Instrumenten der Musiker ihre nicht ausgeprägte Musikalität ausprobieren, sowie auch an den Stahlseilen der Traversen ihre eher ausgeprägte Lust zum Turnen zum besten stellen. Das alles schockt die Eltern aber nicht wirklich.
Die Sonne verschwindet langsam und die Stimmung kommt langsam, leider wirkt der Alkohol nicht ganz so nach der vorabendlichen Gruppenbelustigung. Die Tanzlustigen sind schon früh dabei mit Esprit und Feuer über die Tanzfläche zu schieben, meine Stimmung steigt so richtig als Birgit und ich den Pool eröffnen und uns ins Nass stürzen, was mit einem kaputtem und einem verlorenen Handy endet und mit der zeitweisen Sorge ob ein elektrischer Autotüröffner wasserdicht ist (Er ist es).
So spät der Marokkaner zur Party kommt und so intensiv er feiern kann, so früh scheint es für ihn auch wichtig zu sein sich wieder auf den Heimweg zu machen und für uns unerwartet und viel zu früh sind auf einmal alle weg. Also ab nach Hause, mitgenommene Reste trinken.
Alkohol ausschwitzen
Wie gut, dass wir für den nächsten Tag nichts geplant haben, außer am Nachmittag das oder den Hammam zu besuchen. Ich überlege aber um 14 Uhr, als Karim mit dem ersten Bier beginnt, ob das wirklich eine gute Idee ist und diskutiere das auch mit den anderen bei ihrer Ankunft. Nachdem der Champagner dann leer ist machen wir uns wohlgelaunt auf den Weg. Hammam tut echt gut. Abreiben lassen mit Olivenseife, schwitzen im Dampfbad und mit kaltem Wasser abschütten, dann mit Schmirgelpapierhandschuhen jede Hautunebenheit wegschmirgeln lassen - Ich hatte ein paar Mückenstiche, die danach weg waren - und dann noch gut einseifen lassen, um dann im Ruheraum zu entspannen. Kann ich nur jedem empfehlen.