Ich lese zur Zeit das Buch Die Kuh, die weinte. Dort erzählt Ajahn Brahm buddhistische Geschichten aus seiner 30 Jahre dauernden zeit als buddhistischer Mönch, manche selbst erlebt und manche traditionell überliefert.

Die Geschichte, die mich heute bewegt hat, ist die Geschichte über den Umgang der thailändischen Regierung mit den kommunistischen Rebellen zur Zeit des kommunistischen Umbruchs um 1979.

Kommunistischer Umbruch in Asien

Kurz vor den den 1980er Jahren fand in Asien rund um Thailand eine Ausweitung des Kommunismus statt, dem viele Nachbarländer um Thailand herum anheim fielen. Die Welt erwartete, daß Thailand das nächste Land sei, was sich dem Kommunismus anschließt. In vielen Gesprächen kristallisierte sich jedoch heraus, daß nicht die Nachbarländer den größten Faktor einer Revolution darstellte, sondern die Unterstützer des Kommunismus im eigenen Land. Viele junge Unterstützer zogen sich in die mit Urwald bedeckten Berge im Norden Thailands zurück und wurden dort wiederum von der lokalen Bevölkerung unterstützt.

In drei Stufen beim Frieden bleiben

Anstatt nun gewaltsam gegen die Revolutionäre vorzugehen erarbeiteten die Regierung und das Militär einen dreistufigen Plan zur Stabilisierung des Landes. Dieser umfasste die Punkte:

  1. Ruhig bleiben
  2. Vergebung
  3. An der Wurzel anpacken

Ruhig bleiben

Wie schon erwähnt wurde alles getan um es nicht zu einer Provokation kommen zu lassen und die eigene Bevölkerung trotz ihrer Auffassung nicht zu bekämpfen. Die jedem bekannten Aufenthaltsorte, Trainingscamps, der Kommunisten, wurden geduldet und auch die Unterstützung der Bevölkerung zog keine Konsequenzen nach sich. Das führte zu einer deutlichen Entspannung der Situation. Die Soldaten des Landes und die Kommunisten standen in Kontakt zueinander. Die Soldaten führten den "Abtrünnigen" die Annehmlichkeiten ihres Lebens und Landes vor. Diese wiederum fingen an zu überlegen, ob sie lieber annehmlich oder im Urwald in den Bergen leben wollen.

Vergebung

In einem weiteren Schritt sprach die thailändische Regierung eine allgemeine Amnesie für alle Revolutionäre aus, die ihre Waffen abgeben und nach Hause in ihre Dörfer gingen. Dadurch verlor die kommunistische Bewegung viel von der Basis seiner aktiven Anhänger. Denn wer keine Angst vor Strafe hat und mit einem solchen Zeichen empfangen wird, der muss keinen Zorn mehr hegen. Doch damit nicht genug, denn im dritten Schritt vervollständigte die Regierung ihren Plan.

An der Wurzel anpacken

Im dritten Schritt wurde die arme Bergregion Thailands durch Straßen, Strom- und Wassernetze aufgebaut und mit diesen Errungenschaften kamen Schulen und Krankenhäuser in den Norden. Die Menschen konnten über die neuen Straßen ihre Waren zu den Märkten in den Städten bringen. Sie kamen zu einem kleinen Stück Wohlstand und die Rebellen hatten immer weniger Lust ihr karges, schweres Leben als Rebellen zu führen. Immer mehr nutzten die Amnesie und kehrten dem Kommunismus den Rücken.

Ich finde, daß eine wunderschöne Geschichte, die beweist, daß es nicht immer mit Gewalt gehen muss (was es nie tut) und das wir nicht Zorn über uns Kontrolle erlangen lassen dürfen. Das auch heute noch oder wieder nicht alles friedlich ist in Thailand sehen wir in den Nachrichten, aber was wäre, wenn damals mit Gewalt gegen den Kommunismus vorgegangen worden wäre. Ich glaube, daß dann selbst heute noch große Spannungen in diesem Land herrschen würden, mehr als heute sicher.