Tag der Abreise, der Morgen

Der Tag der Anreise beginnt mit hämmernden Geräuschen im Kopf. Im ersten Moment vermute ich es liegt an dem Besuch des Biergartens am Abend vorher anlässlich meines Geburtstags. Aber nein, der Hauptgrund dafür sind die Abrissarbeiten am Nachbarhaus mit Presslufthämmern. Die Tatsache, dass es erst sieben Uhr morgens ist verbessert die Lage nicht sonderlich. Schwankendes hin- und herdrehen bis der Lärm im Kopf unerträglich wird, dann doch aufstehen um doch noch was für den Urlaub zu packen.

Das Packen erweist sich als planloses "in die Tasche werfen" von möglichst sommerlichen Klamotten, Reisepass und Elektronik. Jetzt bleibt uns sogar noch Zeit um beim Bäcker um die Ecke noch was zu frühstücken. Um elf geht es dann zur S-Bahn zum Flughafen. Royal Air Marroc wartet nicht auf uns, deshalb muss der übliche "Aussteigen aus der Bahn und rein ins Flugzeug"-Plan geändert werden und mehr Zeit eingeplant werden.

Alles verläuft glatt und wir können ins Flugzeug einsteigen. Erste Nichtüberraschung: Die Sitzplätze sind auf marokkanische Größen abgemessen. Meine langen Stelzen passen grade so rein. Aber bei knapp vier Stunden Flugzeit wird es schon gehen, denk ich mir. Ich bin ja sowieso noch völlig ko.

Flug München - Marrakesch

Nach dem Start versuche ich mein erstes Buch zu lesen. Extra für Marokko habe ich mir ein Buch aus Marokko besorgt. "Das Schweigen des Lichts" von Tahar Ben Jelloun. Tahar berichtet darin von seiner Zeit im Gefängnis Tazmamart nach dem mißlungenen Putschversuch gegen den König im Jahr 1971. 18 Jahre lang in einem dunklen, menschenunwürdigen Kerker und trotzdem überlebt. Kann es ein positiveres Buch geben, dass man vor dem Besuch eines Urlaubslandes lesen kann?

Ich schaffe immerhin zwei Seiten des Buchs in zwei Stunden, weil ich nach jedem dritten Satz wieder einschlafe und nur von dem kleinen schreienden Gör geweckt werde. Ein kleiner Junge, der nur schreien kann, egal ob er sich freut oder ihm was nicht passt. Kurze Momente lang überlege ich ihn im Klo einzusperren, entscheide mich aber wegen der marokkanischen Überzahl an Gästen dagegen.

Flug Marrakesch - Casablanca

Bei der Ankunft in Marrakesh können wir direkt vom Flugzeug ins Flughafengebäude gehen, das ist etwas, was ich besonders liebe an Urlaubsländern. Kleine Flughäfen, die man per pedes bewandern kann. Umweltschutz pur. Da wir nun in Marokko sind beginnt auch das marokkanische Leben. Ständige Kontrolle von Reisepass und Tickets, insgesamt fünf mal muss man alles vorzeigen bis man aus dem Transit raus ist.

Dann warten wir am Flughafen auf unseren Anschlussflug. 19.50 ist Abflug laut Plan. Zeitvertreib ist Kaffee trinken und Snacks snacken. 19.05 soll Boarding sein und wir gehen zum Gate an dem aber noch keinerlei Bewegung festzustellen ist. Also warten wir, und warten, warten, warten. Kurz vor Abflug fragt einer der Mitwartenden nach warum nichts passiert. Die wunderbare Antwort der Flughafenangestellten: "Wir wissen nicht wo das Flugzeug ist."; Nach einer weiteren halben Stunde ist das Flugzeug aber gefunden und wir können durch das Gate gehen. Dahinter wartet ein Bus auf uns und ca. 150m weiter steht ein Flugzeug. Ich vermute, dass es unser Flugzeug ist und der Bus fährt auch tatsächlich den Katzensprung rüber um uns einsteigen zu lassen.

Die Landung in Casa ist unerwartet, da ich wieder eingeschlafen bin auf dem Flug und nach kurzer Verwirrung der Einreisebeamten in Casa wegen unseres Visastempels dürfen wir tatsächlich auch aus dem Flughafen raus, wo wir dann von Nisrine abgeholt werden und in unser Domizil fahren, einige Welcomedrinks zu uns nehmen und dann den ersten Schlaf in Marokko bekommen.